FORMELPhysio

Eigentlich, mit diesem Wort beginnen viele Sätze, wenn ich meine Geschichte und über mein Leben in der Formel 1 erzähle.

Meine gelebte Kindheit in Indien ermöglichte es mir die traditionelle ganzheitliche indische und dazu gelernte westliche Behandlungsmethode, meine Überzeugung zu leben und sie weiterzugeben; die Gesundheit von Körper, Geist und Seele sowie die Selbstheilungskräfte, welche die Seele freizusetzen vermag.
Ich bin voller Dankbarkeit für ein Leben, dass es mir ermöglicht hat, meine tiefen Überzeugungen in meinem Beruf umzusetzen.

Eigentlich, ja eigentlich war mein Ziel Kanada, als mein Entschluss gereift war, mein Heimatland Indien zu verlassen.
Aber es ist anders gekommen. Nicht Kanada sondern Deutschland ist zu meiner Wahlheimat geworden.
Seit über drei Jahrzehnten lebe ich nunmehr sehr glücklich im Raum Koblenz, wo ich viele Jahre als Physiotherapeut tätig war.
Hier ist es auch zur Begegnung gekommen, die mein Leben atemberaubend schnell hat werden lassen, rasant, spannend, geradezu unglaublich. Über den Onkel von Michael Schumacher, Herrn Mathias Schumacher – einem Patienten und Freund von mir – ist der Kontakt zu Michael zustande gekommen. Michael suchte damals einen vertrauenswürdigen und loyalen Wegbegleiter und Betreuer der sich sowohl um seine physiologischen als auch physischen Belange kümmern und mit ihm zu den Rennstrecken rund um die Welt fliegen sollte. Einmal einer “derart schnellen Truppe” zur Seite stehen zu dürfen, dass hätte ich mir nie träumen lassen.

Mein erstes Treffen mit Michel Schumacher erfolgte im November 1995 auf der Strecke Paul Ricard in Südfrankreich.
Eine völlig neue Welt öffnete sich mir.

Eigentlich hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt mit dem Motorsport nichts zu tun und meine Zuneigung galt mehr dem Tennissport. Zu dieser Zeit war Boris Becker mein grosses Idol.

Die Entscheidung, Michael auf Rennstrecken der Welt zu begleiten, viel mir schwer, da mein Sohn Steven gerade geboren wurde. Erst eine Einladung von Michael zu einem gemeinsamen Essen bei seinen Eltern und ein Gespräch mit seinem Vater Rolf Schumacher, überzeugte mich. Zunächst haben wir uns darauf geeinigt, dass ich Michael ein Jahr betreue. Hieraus sind zehn intensive und spannende Jahre geworden, in welchen ich an der Seite von Michael Schumacher die Rennstrecken der Welt bereist habe. Nie hätte ich so etwas geträumt und für diesen Weg bin ich Gott sehr dankbar.

Im Jahr 2005 brauchte ich eine Auszeit von meiner ständigen Weltreise. Ich sehnte mich danach, mehr Zeit mit meiner Familie, meinem Sohn Steven und meiner Tochter Alana zu verbringen. Doch der Motorsport ließ mich auch in dieser Zeit nicht los. Ich wurde zu sporadischen Einsätzen mit Mercedes Benz und Ellen Lohr beauftragt. Unvergesslich für mich war das Abenteuer der Rallye Paris Dakar an der Seite von Ellen Lohr. Durch ganz Afrika zu fahren bleibt in meiner ewigen Erinnerung.

Eigentlich, ja eigentlich bin ich damals davon ausgegangen, dass meine “Hochzeit” mit der Formel 1 vorbei sei. Aber vom Motorsportvirus infiziert, genügte bereits ein Anruf im Jahr 2008 vom damaligen Team Principal Dr. Colin Kolles des Formel 1-Teams “Force India” und ich ging wieder zurück in die Formel 1. Es hat mich gereizt, ein junges indisches Team der Aufbauarbeit zu unterstützen. Eine Anfrage eines Teams aus meinem Geburtsland konnte und wollte ich nicht ablehnen.

In den folgenden Jahren betreuete ich zunächst die Fahrer des Force India Formular One Teams, Giancarlo Fisichella und Antonio Liuzzi. Als Giancarlo Fisichella spontan die Chance bekam für Ferrari zu fahren, erfüllte ich weiterhin meinen Vertrag bei Force India und unterstützte Antonio Liuzzi. Ihm bin ich sodann zum neuen Team von Dr. Colin Kolles, dem Team HRT (Hispania Racing Team) gefolgt.

Neben meiner Tätigkeit in der Formel 1 liegt mir insbesondere die Unterstützung und der Aufbau von jungen Fahrern am Herzen. So habe ich in den vergangen Jahren bespielsweise den GP2-Fahrer Dani Clos aus Barcelona, den Renault-Worldseries-Fahrer Sten Pentous aus Estland ,den dritten Fahrer des HRT F1-Team und andere Sportler. Bis heute betreue ich meinen Landsmann, Narain Karthikeyan.

Mein Leben in einem Wort zusammengefasst: “FormelPhysio”
Dies ist mein Leben – ich bin “FormelPhysio”